Genießen erlaubt

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Foto: Jörg Pompetzki/KZV Hessen

Häufigkeit des Zuckerkonsums entscheidet über Zahngesundheit – Gute Nachricht: Zähneputzen kein Muss nach jeder Mahlzeit

Frankfurt am Main, 21. Dezember 2018. Süßes ist in der Weihnachtszeit in aller Munde: Plätzchen, Stollen, Glühwein – für die meisten Menschen werden diese Leckereien erst durch Zucker richtig schmackhaft. Ob Haushaltszucker, Frucht- oder Traubenzucker: Für die Wirkung auf unsere Zähne spielt die Art des Zuckers kaum eine Rolle. Süße Getränke wie Limonaden, Nektare, Säfte und Schorlen, Kaffee oder Tee mit Zucker sind für die Zähne eine große Gefahr. Denn jeder Schluck ist ein Zuckerangriff auf die Zähne, wenn sie nicht gründlich sauber gesputzt sind. Wer häufig zuckerhaltige Getränke zu sich nimmt, setzt seine Zähne einem hohen Kariesrisiko aus. Das kann den Zahnschmelz schädigen und zu Karies führen. Deswegen lieber Wasser gegen den Durst trinken. Das spart auch viele Kalorien.

Die Kassenzahnärztliche Vereinigung Hessen rät deshalb neben der richtigen Zahnpflege zu einem bewussten, achtsamen Zuckerkonsum, damit die körpereigenen Schutzmechanismen ihre Wirkung entfalten können. Das wichtigste natürliche Schutzsystem im Mund ist der Speichel, denn er spült und remineralisiert den Zahnschmelz. Dieses Abwehrsystem kann allerdings nur funktionieren, wenn die Zähne weitgehend frei von bakteriellen Zahnbelägen sind und für sie genügend Zeit ohne Zuckerimpulse bleibt. Etwa 16 Stunden Remineralisation können 8 Stunden Demineralisation ausgleichen, erklärt die Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege in Hessen (LAGH) in ihrem Prophylaxe-Konzept.

Gute Nachricht
Diese Formel gilt nicht nur für Kinder- und Jugendzähne, sondern auch für die Mundgesundheit von Erwachsenen. Bei zahngesunder Ernährung halten sich Säure­angriff und Säureabwehr die Waage. Die gute Nachricht ist: Weitverbreitete Regeln, die das Zähneputzen nach jedem Essen und immer nach dem Konsum von Süßigkeiten nahelegen oder gar verbieten, sind überholt. Entscheidend ist – wie so oft – das richtige Maß. Ein forschender Blick auf das eigene Ernährungsverhalten lohnt sich auch über die Weihnachtszeit hinaus, denn der Zuckergehalt einzelner Lebensmittel ist oft nicht offensichtlich. Vor allem in Fertigprodukten und sogenannten Softdrinks verbergen sich meist unerwartet hohe Zuckermengen.

Infokasten1

Damit machen Sie Ihren Zähnen ein Geschenk
In Anlehnung an das Prophylaxe-Konzept der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege in Hessen (LAGH) gelten auch für Erwachsene die folgenden Empfehlungen:

  • die Zähne zweimal täglich putzen: nach dem Frühstück und nach dem Abendessen

  • kauaktive Zwischenmahlzeiten, z. B. einen Apfel

  • zuckerhaltige Lebensmittel und Getränke weniger häufig, dafür bewusst genießen, z. B. süßen Nachtisch

  • nach der Zahnpflege am Abend nichts mehr essen oder trinken außer Wasser

Quelle: 5-Sterne-Konzept der LAGH

Infokasten2

Aktuelle Initiative des BMEL
Mit der Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertignahrungsmitteln möchte die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner erreichen, dass beispielsweise Müslis oder gesüßte Getränke künftig weniger Zucker enthalten. Dazu soll die Lebensmittelwirtschaft Anfang 2019 mit der Umsetzung ihrer Selbstverpflichtungen beginnen, um bis zum Jahr 2025 konkrete Reduktionsziele zu erreichen. Bei den relevanten Produkten soll es zu einer zweistelligen prozentualen Reduktion des Zuckergehalts kommen.
Quelle: https://www.bmel.de


AMALGAM ALS FÜLLUNGSMATERIAL

 

Seit 1. Juli 2018 gilt die EU-Quecksilberverordnung. Demnach darf Dentalamalgam nicht mehr für zahnärztliche Behandlungen von Milchzähnen, bei Kindern unter 15 Jahren und bei schwangeren oder stillenden Patientinnen verwendet werden. Für die Behandlung der genannten Patientinnen und Patienten muss regelmäßig ein alternatives plastisches Füllungsmaterial gewählt werden, das dauerhaft haltbar und erprobt ist und dem Stand der Wissenschaft entspricht.

Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) hat zu diesem Thema einen Katalog mit Fragen und Antworten erarbeitet. Patientinnen und Patienten können sich so über die neuen Vorgaben, Ausnahmen von diesen Vorgaben und Behandlungsmöglichkeiten bei Zahnfüllungen informieren. Die Auflistung gibt unter anderem Auskunft darüber, welche Alternativen zu Dentalamalgam in der Füllungstherapie verfügbar sind und welche Leistungen gesetzliche Krankenkassen übernehmen.

Übersicht: Welche Zahnfüllung soll es sein?

Hilfreiche Informationen enthält auch die aktualisierte KZBV-Patienteninformation „Zahnfüllungen – Was Sie als Patient wissen sollten“. 

 

KARIES VERMEIDEN

Fluoride in Zahnpasta.

„Die herausragende kariesprophylaktische Wirksamkeit von Fluoridzahnpasten wurde in vielen Studien belegt“ – das teilen die Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ), die Deutsche Gesellschaft für Präventivzahnmedizin (DGPZM) und die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) mit. Eine gemeinsame Stellungnahmedazu haben DGZ, DGPZM und BZÄK am 22. Januar 2018 veröffentlicht. Hintergrund sind die Werbemaßnahmen eines Unternehmens, dessen neues Zahnpastaprodukt die Zähne angeblich vor Karies schützt, obwohl es kein Fluorid enthält.

 

Die drei Fachorganisationen sind sich einig, dass die werblichen Aussagen des Unternehmens keine ausreichende wissenschaftliche Grundlage haben. Dagegen sind Fluoride „weltweit sehr gründlich untersucht. Die herausragende kariesprophylaktische Wirksamkeit von Fluoridzahnpasten wurde in vielen Studien belegt“. 

Die „Verwendung fluoridhaltiger Zahnpasta ist sicher und schützt wirksam vor Karies“, stellt die BZÄK ergänzend dazu in einem aktuellen Statementfest. Zusammengefasst sind die wichtigsten Informationen zum Thema in einer wissenschaftlich abgesicherten Patienteninformation der BZÄK.

Weitere Informationen zum Thema „Zahnschutz durch Fluoride“ sind auch verfügbar auf der Website der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV).

  

WELCHES MINERALWASSER

Fluorid hilft, Karies zu vermeiden. Die Menge an Fluorid, die in Deutschland durch das Trinkwasser und über die Nahrung aufgenommen wird, reicht dazu meist nicht aus. Eine Ergänzung ist daher sinnvoll. Es gibt fluoridhaltige Zahnpasten und Fluoridtabletten. Auch natürliche Mineralwässer enthalten Fluorid.

Die Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege in Hessen (LAGH) rät, Fluorid bei Kindern ab dem ersten Zahn lokal wirksam anzuwenden: entweder durch die Verwendung einer fluoridhaltigen Kinderzahnpasta oder durch eine Fluorid-Lutschtablette. Bei Säuglingen oder Kleinkindern sollte sie in Wasser aufgelöst bzw. in die Wangentasche gelegt werden. Eltern sollten bei ihrem Kind vorher eine individuelle sogenannte „Fluorid-Anamnese“ beim Zahnarzt oder beim Kinderarzt machen lassen. Er fragt die Eltern, ob sie bei ihrem Kind bereits Fluoride verwenden und ob durch besondere Ernährungsgewohnheiten schon verstärkt Fluor zugeführt wird.

Natürliche Mineralwässer tragen zur Fluoridaufnahme der Kinder bei, wenn in der Familie oder in der Kita über Wochen bzw. Monate das gleiche Mineralwasser getrunken wird. Nach den Empfehlungen der Fachgesellschaften wird Säuglingsnahrung zwar grundsätzlich mit Trinkwasser zubereitet. Steht es aber in der erforderlichen Qualität nicht zur Verfügung – wie zum Beispiel in Gemeinden mit einer Nitratkonzentration von mehr als 50 mg Nitrat/l im Trinkwasser oder auf Reisen – ist es empfehlenswert, auf Mineralwasser zurückzugreifen.

 

Aber wie viel Fluorid ist in Mineralwasser enthalten?

Nicht bei allen Mineralwassersorten steht der Fluoridgehalt auf dem Flaschenetikett. Denn nach geltender Gesetzeslage müssen Hersteller den Fluoridgehalt nicht angeben, wenn das Mineralwasser maximal 1,5 mg Fluorid pro Liter enthält. Dagegen müssen Wasservarianten, die diesen Wert überschreiten, den folgenden, deutlich lesbaren Hinweis tragen: "Enthält mehr als 1,5 mg/l Fluorid: Für Säuglinge und Kinder unter sieben Jahren nicht zum regelmäßigen Verzehr geeignet". Dadurch wird das Risiko einer Überdosierung durch die Kombination fluoridhaltiger Mineralwässer (über 1,5 mg/l Fluorid) mit der Einnahme von Fluoridtabletten bzw. dem Verschlucken von Zahnpasta minimiert. Trägt ein natürliches Mineralwasser den Vermerk „zur Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet“, darf laut der deutschen Mineral- und Tafelwasserverordnung der Gehalt an Fluorid nicht mehr als 0,7 mg betragen.

 

Tabellarische Übersicht

Auf ihrer Website hat die LAGH eine Übersicht zugänglich gemacht, die den Fluoridgehalt von über 280 Mineralwässern benennt. Die Liste führt natürliche Mineralwässer sowie einige Heilwässer auf, keine Quell- und Tafelwässer. Vier der dort gelisteten Mineralwässer haben einen deutlich höheren Fluoridgehalt als 1,5 mg pro Liter. Die Angaben zum Fluoridgehalt der Mineralwässer beruhen auf Daten aus Veröffentlichungen sowie Herstellerangaben. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Verfügbar ist die tabellarische Übersicht auf der Website der LAGH unter der Rubrik „Häufige Fragen/Fluoride im Natürlichen Mineralwasser“.

Zum Thema "Fluoridierung" hat das Zentrum Zahnärztliche Qualität eine Broschüre für Patienten herausgegeben. Weitere Informationen rund um das Thema „Fluorid“ vermittelt die Website der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) unter der Rubrik „Patienten/Medizinische Infos/Vorsorge bei Kindern/Fluoride für Kinder".

Zahnaufhellung